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Hochbegabung und LRS: Wenn Lesen und Schreiben schwerfallen
- VonRedaktion
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Manche hochbegabte Kinder kämpfen mit dem Lesen und Schreiben. Erfahre, wie Hochbegabung und LRS zusammenhängen können und was du als Elternteil wissen solltest.

Kurz gesagt: Auch hochbegabte Kinder können Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche, LRS) haben. Die gleichzeitige Begabung und Schwierigkeit wird oft übersehen, weil die Fähigkeiten sich gegenseitig verdecken können. Eine gezielte Diagnostik hilft, passende Unterstützung zu finden. Nachteilsausgleiche und individuelle Förderung sind möglich.
Das Wichtigste
- Hochbegabung und LRS können gemeinsam auftreten (sogenannt „twice-exceptional“).
- Die Stärken und Schwächen können sich gegenseitig überdecken – LRS wird bei Hochbegabten oft spät erkannt.
- Auffällig sind große Unterschiede zwischen mündlicher und schriftlicher Leistung.
- Eine spezialisierte Diagnostik ist wichtig, um beide Seiten zu erfassen.
- Nachteilsausgleich und Unterstützung sind möglich, unterscheiden sich aber je nach Bundesland.
Wie passen Hochbegabung und LRS zusammen?
Vielleicht kennst du das Bild: Hochbegabte Kinder lesen früh, schreiben gerne und glänzen in der Schule. Doch so eindeutig ist es nicht immer. Auch Kinder mit sehr hoher Intelligenz können Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben. Man spricht dann von einer sogenannten doppelt außergewöhnlichen Begabung („twice-exceptional“ oder 2e): Hochbegabung und Legasthenie (LRS) treten zusammen auf.
LRS ist eine Teilleistungsstörung, bei der das Erlernen des Lesens und/oder Schreibens deutlich schwerer fällt als gleichaltrigen Kindern. Hochbegabung ist dagegen durch sehr hohe kognitive Fähigkeiten gekennzeichnet. Beides schließt sich nicht aus – im Gegenteil: Manche Kinder kompensieren Schwächen im Schriftsprachbereich mit ihrer Intelligenz, andere fallen gerade durch die Diskrepanz zwischen mündlicher und schriftlicher Leistung auf.
Warum wird LRS bei hochbegabten Kindern oft übersehen?
In der Praxis berichten viele Eltern und Lehrkräfte, dass die LRS bei hochbegabten Kindern lange nicht erkannt wird. Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Kompensation: Hochbegabte Kinder entwickeln Strategien, um ihre Schwäche beim Lesen oder Schreiben zu überspielen. Sie merken sich Texte oder Wörter besonders gut oder raten sinnvolle Wörter aus dem Kontext.
- Unterschied zwischen Mündlich und Schriftlich: Die Kinder können mündlich komplexe Inhalte erfassen und wiedergeben, scheitern aber bei schriftlichen Aufgaben an Rechtschreibung, Lesegenauigkeit oder Lesefluss.
- Außenwirkung: Oft wird angenommen, dass Hochbegabung automatisch mit guten Schulleistungen in allen Bereichen einhergeht. Die Lese-Rechtschreib-Schwäche wird dann als „Schlampigkeit“ oder „fehlende Motivation“ interpretiert.
- Selbstbild: Hochbegabte Kinder entwickeln manchmal früh das Gefühl, „anders“ zu sein, und versuchen ihre Schwächen zu verbergen – aus Angst vor Stigmatisierung oder Enttäuschung.
Was du beobachten kannst
Die Kombination aus Hochbegabung und LRS zeigt sich häufig durch:
- Große Diskrepanz zwischen mündlicher Ausdrucksfähigkeit und schriftlichen Leistungen
- Sehr gute mündliche Mitarbeit, aber viele Fehler beim Schreiben, zum Beispiel bei Diktaten
- Schwierigkeiten beim flüssigen Lesen, stockendes Vorlesen trotz hoher Auffassungsgabe
- Frustration oder Vermeidungsverhalten bei schriftlichen Aufgaben
- Überdurchschnittliches Allgemeinwissen, aber auffällig viele Rechtschreib- oder Lesefehler
Was die Forschung sagt: Studien zeigen, dass hochbegabte Kinder mit LRS oft erst später und seltener diagnostiziert werden als andere Kinder mit LRS. Ihre Intelligenz kann die Schwächen eine Zeit lang überdecken, bis die Anforderungen steigen.
Wie läuft die Diagnostik ab?
Wenn du den Verdacht hast, dass dein (hochbegabtes) Kind eine LRS haben könnte, ist eine fachkundige Diagnostik wichtig. Sie sollte sowohl die kognitiven Fähigkeiten als auch die Lese- und Rechtschreibleistungen erfassen. Das Vorgehen kann so aussehen:
- Intelligenzdiagnostik: Ein standardisierter IQ-Test mit Fokus auf sprachliche und nichtsprachliche Bereiche. So lässt sich erkennen, ob eine Hochbegabung vorliegt.
- Lese-Rechtschreib-Test: Spezielle Verfahren prüfen, wie genau, flüssig und sicher dein Kind liest und schreibt. Wichtig ist, dass die Tests auf das Alter und die Klassenstufe abgestimmt sind.
- Vergleich der Ergebnisse: Eine LRS wird diagnostiziert, wenn die Lese- und/oder Rechtschreibleistungen deutlich unter dem Niveau liegen, das angesichts der Intelligenz zu erwarten wäre.
- Gespräch mit Eltern und Schule: Alltagsbeobachtungen helfen, die Testergebnisse richtig einzuordnen.
Für eine solche Diagnostik können Fachleute wie Kinder- und Jugendpsycholog:innen, Schulpsycholog:innen oder spezialisierte Beratungsstellen aufgesucht werden. Die Schule kann dich oft an die zuständigen Stellen weitervermitteln.
Welche Unterstützung und Nachteilsausgleiche gibt es?
Wird eine LRS festgestellt, besteht die Möglichkeit, gezielte Förderung und Nachteilsausgleiche in Anspruch zu nehmen. Wie das konkret aussieht, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Grundsätzlich gilt:
- Nachteilsausgleich: Kinder mit LRS können z. B. mehr Zeit bei Klassenarbeiten bekommen, Diktate werden anders bewertet oder alternative Prüfungsformen angeboten. Die genauen Regelungen erfährst du beim Schulamt oder der schulpsychologischen Beratung deines Bundeslandes.
- Individuelle Förderung: Spezielle LRS-Förderprogramme, Lesetrainings oder Rechtschreibwerkstätten können helfen. Für hochbegabte Kinder ist es wichtig, dass die Förderung nicht unterfordert – sie sollte sowohl die Schwächen als auch die Stärken im Blick behalten.
- Förderplanung: Oft wird gemeinsam mit Eltern, Lehrkraft und ggf. außerschulischen Fachleuten ein Förderplan erstellt.
Was du wissen solltest: Ein Nachteilsausgleich ist kein „Bonus“, sondern soll Chancengleichheit schaffen. Hochbegabte Kinder mit LRS brauchen individuelle Wege, um ihr Potenzial ausschöpfen zu können.
Was kannst du als Elternteil tun?
- Beobachte aufmerksam: Achte auf Diskrepanzen zwischen den Fähigkeiten deines Kindes in verschiedenen Bereichen.
- Sprich offen mit deinem Kind: Hilf ihm, seine Stärken und Schwächen zu akzeptieren. LRS ist kein Makel.
- Tausche dich mit der Schule aus: Lehrkräfte sind wichtige Partner:innen, um passende Förderung und Nachteilsausgleich zu organisieren.
- Hole dir Rat: Beratungsstellen für Hochbegabung oder LRS, Schulpsycholog:innen oder spezialisierte Therapeut:innen können dich begleiten.
- Unterstütze ohne Druck: Vermeide es, dein Kind mit seinen Fehlern zu konfrontieren oder Vergleiche mit anderen zu ziehen. Bestärke es darin, seine besonderen Fähigkeiten zu nutzen.
Was du vermeiden solltest
- Keine „Schlampigkeit“ oder „Faulheit“ unterstellen: Hochbegabte Kinder mit LRS sind oft besonders bemüht – ihre Schwierigkeiten haben nichts mit mangelnder Anstrengung zu tun.
- Keine Schnell-Diagnosen: Online-Checklisten können Hinweise geben, aber keine gesicherte Diagnose stellen. Suche bei Verdacht Unterstützung bei Fachleuten.
- Keine Überforderung: Auch wenn dein Kind sehr klug ist, braucht es Zeit, Geduld und passende Förderung für sein individuelles Lerntempo.
Wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist
Du solltest dir Hilfe holen, wenn du bemerkst, dass:
- dein Kind trotz guter Intelligenz große Probleme beim Lesen oder Schreiben hat,
- die Schwierigkeiten zu Frust, Angst oder Rückzug führen,
- die schulischen Anforderungen nicht mehr bewältigt werden,
- Unsicherheit besteht, ob eine LRS oder andere Ursachen vorliegen,
- es Konflikte mit Lehrkräften oder Mitschüler:innen gibt.
Anlaufstellen können sein: Kinder- und Jugendpsycholog:innen, Schulpsychologische Dienste, Beratungsstellen für Hochbegabung und LRS, Kinderärzt:innen oder die Schulberatung deines Bundeslandes.
Häufige Fragen
Kann ein Kind hochbegabt und legasthen sein?
Ja, das ist möglich. Hochbegabung und LRS können gemeinsam auftreten. Die Stärken und Schwächen können sich dabei gegenseitig verdecken.
Warum wird LRS bei hochbegabten Kindern oft spät erkannt?
Weil diese Kinder Schwächen oft durch ihre Intelligenz kompensieren oder ihre Probleme geschickt verbergen. Die Diskrepanz fällt erst auf, wenn die Anforderungen steigen.
Was bringt ein Nachteilsausgleich bei LRS?
Ein Nachteilsausgleich gleicht die Benachteiligung durch die LRS aus, zum Beispiel durch mehr Zeit oder alternative Prüfungsformen. So kann das Kind sein Wissen besser zeigen.
Wo bekomme ich eine zuverlässige Diagnose?
Bei Fachleuten wie Kinder- und Jugendpsycholog:innen, Schulpsycholog:innen oder spezialisierten Beratungsstellen. Die Schule kann dir helfen, die richtigen Kontakte zu finden.




